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Raimund Burke - Talk mit dem Saitenhexer
Franky: "Hy Raimund, meine Standard-Frage zu Beginn. Erzähl unseren Lesern doch erst einmal wer Du bist!
Raimund: "Ja, Hallo erstmal, ich weiß gar nicht ob Sie's… Ach nee, das war jemand anders. Ich bin also Raimund. Meines Zeichens Gitarrist, zumindest hauptsächlich. Ich bin so gerade eben noch 39 und lebe schon seit einigen Jahren in Hamburg. Mit Frau und Katze. ;-) Voll spiessig!
Franky: "Bist Du Solokünstler oder schwingst du noch in irgendwelchen anderen Bands dein Instrument?


Raimund: "Nein, nicht mehr. Natürlich habe ich auch in Bands gespielt. Aber was mich daran eher nicht reizt, ist, dass irgendwann immer einer aus der Reihe tanzt und Stress verbreitet. Und das ist eine Situation, die ich echt nicht vermisse. Ist wohl eher nicht so mein Ding.
So eine Band tatsächlich an den Start bzw. nach vorne zu bringen ist 'ne tierische Arbeit. Das führt ja auch sehr oft ins Nichts. Ich stecke diese Energie lieber in meine Projekte und fokussiere mich ganz darauf. Der einzige, der mich dann noch nerven kann, bin ich selber. :grin: Ok, das kann ich zwar auch ganz gut. Aber ich vertrage mich mit mir meistens ganz gut. Den Spaß im Proberaum und so habe ich so natürlich nicht. Das fehlt bei dem Weg als Einzelkämpfer schon ein bisschen.
Komischerweise ist meine Einstellung zur Bandsituation tatsächlich komplett anders, wenn ich Schlagzeug spiele. Da ist mir dann auch der Stil relativ egal. Äh, natürlich muss ich den Stil auch spielen können. Aber mein Anspruch an die Musik oder auch gegenüber der Mitmusiker verändert sich, wenn ich Schlagzeug spiele. Da kann ich eher Fünfe gerade sein lassen und mich zurück nehmen. Ich habe 2001 mal in einer Metal-Coverband getrommelt. Zurücknehmen ging super. Das geht als Sologitarrist nicht so gut und schon gar nicht bei meinen eigenen Songs.
Wir haben da mal so eine Thin Lizzy-Coverband aufzubauen versucht. Das macht echt viel Spaß, das Zeug zu spielen. Ist aber auch an den üblichen Sachen gescheitert. Wie das so ist. Und dann konzentriere ich mich lieber auf mein eigenes musikalisches Ding.


Franky: "Was sagst Du selber zu Vergleichen mit Steve Vai oder gar Satriani?


Raimund: "Puh, was soll man da sagen? Der Hammer! Natürlich übertrieben, wie ich finde, denn das technische Niveau der beiden Herren, oder derer, die noch in der allerersten Liga Gitarre spielen, ist doch noch mal ein Zahn schärfer. Aber toll ist das trotzdem. Ich freue mich total darüber. Alleine in die Richtung zu tendieren ist geil.
Franky: "Wie muss ein Laie sich das vorstellen? Du hast alles komponiert, produziert und selbst eingespielt .Wie lange hast Du dafür gebraucht. Und gab es dabei Schwierigkeiten?


Raimund: "Ja, das ist für mich sehr entspannt, wenn ich alles alleine mache und vor allem auch machen kann. Ich habe gerne alles selbst in der Hand. Zumindest, wenn es um meine Kompositionen geht. "Into my Arena" ist über einen Zeitraum von ca. 2 Jahren entstanden. Nun sitze ich ja nicht die ganzen 2 Jahre an den Songs. Das ist eher so, dass ich die Ideen, die da so kommen, aufnehme und einfach erstmal "parke". Dann nehme ich mir, wenn ich genug Ideen habe, eine spezielle Idee vor und die wird dann bearbeitet, bis ein kompletter Song fertig ist. Das dauert dann meist so 2 Tage pro Song. Mischen nachher noch mal ca. einen Tag pro Song. Und so weiter.
Und weil Du schon nach den Schwierigkeiten fragst, muss man schon sagen, den meisten Stress hatte ich wieder mal mit meinem Rechner. Oh Mann, das hat mich schon Nerven gekostet. Aber am Ende ist das auch wieder wurscht, wenn die Scheibe gut klingt und gefällt. :grin: Aber es ist ja so, dass man ja Musik machen und kreativ sein will und sich nicht ständig mit dem Technikscheiß auseinandersetzen möchte. Mir geht das jedenfalls so. Ich bin überhaupt kein Technikfreak. So ist es immer sehr cool, wenn man einen guten Draht z.B. zu Tonings hat, die sich wirklich auskennen und die man mal was fragen kann.
Franky: "Besitzt Du ein eigenes Tonstudio oder wo wurde die CD eingespielt?


Raimund: "Bei solch investigativen Fragen kann man ja nicht anders als die ganze Wahrheit erzählen! :grin: Ja, ich mache das alles zu Hause in meinem kleinen Studio. Das ist toll, hat aber natürlich das Problem des nicht vorhanden Platzes, z. B. für einen Aufnahmeraum. Das bedeutet, dass ich das Schlagzeug nicht einspielen konnte sondern im Rechner gemacht habe. Ich versuche eben, es so zu programmieren, wie ich's auch spielen würde. Da ich ja weiß, wie so'n Teil zu klingen hat und an welcher Stelle man was macht, denke ich, ist es auch echt gut gelungen. Da habe ich viel Mühe drauf verwandt, es echt klingen zu lassen. Ich hätte es gerne selber gespielt, aber das ist dann leider doch zu teuer. Ein Studio anzumieten und die Drums aufzunehmen und so. Ich versuche das beim nächsten Mal hinzukriegen. Das macht nämlich auch echt viel Spaß. Aber man muss schon sagen, dass heutzutage super viele Produktionen mit Sequenzerdrums gemacht werden. Die klingen so geil, dass man das einfach nicht mehr hört. Man kann also nix mehr glauben!" :grin:

Franky: "Es ist sicher schwer den Hörern ein Instrumental-Album, wie dein neues Meisterwerk "Into my Arena", nahe zu bringen. Hast Du deshalb auf dem neuen Album mit Michael Keuter einen Sänger an Land gezogen?


Raimund: "Naja, ich dachte das lockert evtl. diese Instrumentalgeschichte ein wenig auf. Für die, die damit nicht ganz soviel anfangen können. Außerdem lagen mir diese beiden Songs irgendwie noch am Herzen. Die lagen schon seit 1991 rum. Michael hat sie damals schon auf meinem Demo gesungen. Das fand ich damals schon super gesungen. Und so durfte das diesmal auch nur Michael singen. Ich bin froh, dass er da auch Bock drauf hatte. Ich habe also nicht aus Kalkül noch schnell zwei Vocalsongs gebaut.
Hast aber Recht! Es ist schwerer Instrumental-Alben an den Mann und gerne auch an die Frau zu bringen. Aber ich fühle mich mit instrumentaler Musik irgendwie wohler. Man muss die CD ja nicht an einem Stück durchhören. Kann man sie ja immer wieder mal rein werfen.
Franky: "Bist Du im Nachhinein zufrieden oder hättest Du gern noch was anders gemacht?


Raimund: "Ja, ich bin sehr zufrieden. Man kann immer etwas verbessern. Das ist auch gut so. Das motiviert einen beim nächsten Mal zu einem noch besseren Ergebnis zu kommen. Sonst wird man träge und ruht sich womöglich auf den Lorbeeren aus. Und Stagnation ist nicht gut.
Franky: "Wie viele Gitarren besitzt Du und sind darunter auch wertvolle? Oder hast du gar Geschichten zur jeweiligen Gitarre?


Raimund: "Naja, 7 Gittis und ein Bass reichen zum Aufnehmen schon. Wertvoll sind sie zumindest für mich alle. Ist jetzt keine Les Paul für 12.000 Euro drunter. Aber wer braucht schon so'n Kram. Die klingen auch nicht besser als eine gepflegte Gitarre für weniger Geld. Ich war neulich mal auf so einer Vintagemesse. Da standen so viele sauteure Gitarren rum, die kann man eigentlich nur im Tresor spielen. Dann hat man da 'ne Strat für 10500 Euro, nimmt die in die Hand und was passiert: die schnarrt. Genau wie alle Strats. Bescheuert. :grin:
Ich habe mir mal bei einem Fender-Outletstore hier in Hamburg eine Squire mit 'nem kaputten Hals für 50 Euro geholt. Neu. Einen nicht benutzten super Hals von Fender, mit großer Kopfplatte und scallopten Bünden hatte ich noch. Draufgeschraubt - geil. Dann hat Tom Harm von Cyan Guitars den Rest gepimpt. Jetzt sind geile Pick Ups drin und die Schaltung ist neu. Klingt wie eine Strat für 10500 Euro. Ich war damit neulich in einem Studio und habe Funkgitarren aufnehmen müssen. Die kamen echt gut an.
Aber davon abgesehen habe ich ja jetzt die "Vivien" von Cyan. Schönes Teil. Die sieht nicht nur supergeil aus, sondern spielt sich toll und klingt ebenso gut. Hammergerät! übrigens sind meine ersten beiden Gitarren, eine Wander- und eine Westerngitarre, heute eine Deckenlampe im Flur. Sieht cool aus. So erfüllen sie zumindest noch einen nützlichen Zweck und "erhellen" mich hin und wieder. Es gibt natürlich aber zu jeder meiner Gittis eine Geschichte, aber das würde glaube ich doch zu weit führen.
Franky: "Wann begann Deine Leidenschaft für die Musik und hast Du gleich mit der Gitarre angefangen?


Raimund: "Irgendwie war die Musik immer schon da. Ich kann keinen Startpunkt nennen. Wahrscheinlich habe ich schon auf Sachen rumgetrommelt, als ich noch nicht laufen konnte. Auf jeden Fall habe ich mit Schlagzeug angefangen. Und das war es auch, was ich immer spielen wollte. Aber leider war das Budget meiner Eltern und der Platz zuhause damals zu knapp. Und so bekam ich mit 15 Jahren eine Gitarre. So eine Wandergurke (heute wie gesagt Deckenlampe). Ich hatte ein halbes Jahr bei einem Kumpel Unterricht. Den Rest habe ich mir dann selber beigebracht. Allerdings ist das Faible für Drums nie weggegangen. Und so nehme ich jede Gelegenheit wahr, ein bisschen zu trommeln.
Franky: "Du spielst ja diverse Instrumente! Was sind dass denn genau für welche?


Raimund: "Ach, so viele sind das nun auch nicht. Gitarre ist das Hauptinstrument, also die Profession. Schlagzeug ist das Hobby. Bass natürlich. Wobei ich zumindest versuche, den Bass zu spielen wie ein Basser und nicht wie'n Gitarrist. Man muss im Kopf tatsächlich umschalten und sich auf das Instrument wirklich einstellen. Ganz egal welches. Dann klingt das nachher zusammen auch eher wie eine Band. Keyboard kann ich eigentlich gar nicht wirklich spielen. Aber ich habe da die komische Fähigkeit, mir kurze Parts in kurzer Zeit draufschaffen zu können um sie aufzunehmen. Danach sind sie sofort wieder weg. Ich kriege das meistens nicht mehr wieder so hin. So klingt das dann aber trotzdem, als hätte ein Keyboarder den Kram gespielt. Gott sei Dank! Ausser es geht um kompliziertere harmonische Voicings, dann muss ich meine Frau fragen. Die kann das wenigstens und weiß was sie tut. Deswegen gibt es auf der CD auch eine Stelle, wo sie das übernommen hat. Ich mache ja immer alles nach Gehör.
Franky: "Was hält ein Multiinstrumentalist von den ganzen Genre-Bezeichnungen, die heute im Hardrock und Metal herrschen?


Raimund: "Warte mal, ist das ([i]Hardrock, Metal, Die Red.[/i]) nicht auch eine GenreBezeichnung? Ich kann die ganze Aufregung um die Bezeichnungen nicht wirklich verstehen. Ich finde auch, letztendlich gibt's nur gute und schlechte Musik und so blablabla. Aber nicht jeder hört eben alle Arten von Musik. Da ist es doch hilfreich, sie einsortieren zu können. Find ich gut. Es sei denn, man fängt an sich darüber zu streiten, ob jetzt meinetwegen Deep Purple Heavy Rock oder Hard Rock oder so ist. Dann wird's für mich albern. Aber es ist nun mal kein Jazz. Ich sage auch zu jedem der mich fragt, was ich denn so mache, das ist instrumentaler Hard Rock. Ob da jetzt Anleihen von Progmetal oder Blues oder weiß der Geier was drin sind… Na und? Klingt das jetzt irgendwie kompliziert? :grin:

Franky: "Eine Frage, die mich immer persönlich interessiert. Was hört Raimund privat für Musik? Was ziert Deine Sammlung? Gibt es dort CDs mit dem Prädikat: "peinlich"?

Raimund: "Jetzt gerade höre ich "The Rat Pack". Ich steh' ja total auf Swing. Ich höre auch gerne gute Pop-Soul-Sängerinnen. Mir ist in meiner CD Sammlung nichts wirklich peinlich. Liegt ja immer auch ein bisschen im Auge, bzw. im Ohr des Betrachters. Aber das Meiste ist wohl die härtere Schiene, wie z.B. Iron Maiden, Dream Theater, Malmsteen, Black Sabbath, Deep Purple, Rainbow, Whitesnake..., das ganze Programm eben.
Franky: "Hier wieder unsere obligatorische Ecke zum Auskotzen. Was stinkt Dir, Worte an Deine Fans, unsere Leser, usw. Hau rein!


Raimund: "Ach, zum Auskotzen gibt's eigentlich nicht wirklich was. Außer, dass ich immer wieder nur appellieren kann, sich auch mal "andere" Musik anzuhören, von der eingefahrenen musikalischen Schiene abzuweichen und sich zu öffnen für andere Einflüsse. Da gibt es manchmal sehr spannende Sachen zu erleben.
Ich freue mich über die tolle Resonanz zur neuen CD und darüber, dass meine Musik anderen Menschen gefällt. Dass es tatsächlich möglich ist, nur mit Instrumentalmusik Bilder und Geschichten zu transportieren, finde ich echt geil! Immer wieder bekomme ich zu hören, dass meine Musik wohl auch für "Nicht-Instrumental-Liebhaber" etwas ist. Das ist sehr cool.
Ich wünsche Euch ein tolles, friedvolles, gesundes, erfolgreiches und vor allem musikalisches Jahr 2009!

Franky: "Ich bedanke mich recht herzlich für das Beantworten der Fragen und wünsche Dir eine wundervolle Zeit. Rock On (line)!


Raimund: "Vielen Dank für dieses nette Interview, Franky!
Cheers, Raim&"


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