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MOTÖRHEAD + SAXON Hamburg Sporthalle 9. Dezember 2015

Motorhead01MOTÖRHEAD + SAXON
Hamburg Sporthalle 9. Dezember 2015

 

Vierzig Jahre MOTÖRHEAD… Lemmy Kilmister, Phil Campbell und Mikkey Dee feiern vierzigjähriges Bandbestehen. Die aktuelle LP "Bad Magic" landete unlängst auf Platz 1 der deutschen Albumcharts. Zum Jubiläum war die Setlist jedoch weitgehend von Klassikern der Frühwerke "Overkill", "Bomber", "Ace Of Spades" und "Orgasmatron" geprägt. Als Anheizer verpflichteten Lemmy & Co. die Jungs von SAXON, mit denen sie seit Ende der 1970er Jahre immer wieder tourten. Da die Konzerte in Berlin und Hamburg verschoben werden mussten, ergaben sich ein paar Änderungen.


Motorhead02Phil Campbell musste in Berlin ins Krankenhaus. Deshalb verlegte man die Konzerte auf die Zeit, in welcher bis Ende Januar 2016 ein Break hätte sein sollen. GIRLSCHOOL hätten noch vor SAXON spielen sollen, waren jedoch bei den Ersatzterminen nicht dabei. Nigel Glockler von SAXON konnte ebenfalls nicht und wurde, wie schon im Februar 2015, am Schlagzeug durch Sven Dirkschneider von U.D.O. vertreten. Durch die Verlegung von einem Samstag auf Mittwoch der übernächsten Woche versuchten Einige ihre Tickets über diverse Internetportale loszuwerden. Auch für uns wäre der Hamburg-Aufenthalt über das Wochenende angenehmer gewesen. So mussten wir nach vorgezogenem Feierabend mal wieder die A7 runterdüsen und fuhren mitten rein in den Stau.

 

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Dass GIRLSCHOOL nicht auftreten würden, erfuhren wir erst durch einen im Foyer der Sporthalle aufgehängten Din A4-Zettel. Schade, aber das nahm wenigstens vom Zeitdruck wieder etwas raus. Also erstmal die Ess- und Getränkestände unsicher gemacht. Mit geschätzten 5000-6000 Besuchern war die Halle gut voll. Das hatte beim WATERKANT X-MAS BASH in der Woche zuvor noch anders ausgesehen. Denn da waren die Ränge mit den Sitzplätzen gesperrt. Während Eintritt und Fotopass reibungslos funktionierten, gab es ein paar Hindernisse beim Geleit der Fotografen durch die Halle, da der Backstage-Bereich als Durchgang tabu war. Zudem sollten nach drei Songs MOTÖRHEAD sämtliche Kameras am Eingang bzw. der Garderobe abgegeben werden. Da dies jedoch zu unsicher erschien, brachten die meisten ihr "Werkzeug" raus in ihre Fahrzeuge.

 

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AC/DCs "It's A Long Way To The Top (If You Wanna Rock'n'Roll)" lief als Intro vom Band bis SAXON die Bühne betraten. Und dort legten sie auch gleich mit dem Titeltrack der aktuellen Scheibe "Battering Ram" los. Ein Kick-Ass-Song der gleich voll reinhaute. Biff Byford fegte dazu über die Bühne und headbangte wie seit den seligen Tagen der Solid Ball Of Rock-Tour anno 1990/91 nicht mehr. Mit "Motorcycle Man" schossen die Angelsachsen den ersten Klassiker hinterher. Es folgte ein wechselnder Mix aus alten und neuen Songs, bei dem "Power And The Glory", "20,000 Ft" und "Heavy Metal Thunder" nicht fehlen durften. Nach "Queen of Hearts", ebenfalls vom aktuellen Album, legte Gitarrist Paul Quinn mit einer ultraschnellen Version von "Princess of the Night" los, bei der er im Soloteil einige Töne auslassen musste, die aufgrund der Geschwindigkeit nicht mehr reinpassten. Nicht ganz so im Highspeed-Modus war mit "Wheels of Steel" allzu früh das Ende des Sets erreicht.


Motorhead05SAXON kehrten noch einmal zurück und Biff fragte wie üblich, welchen Hit sie denn spielen sollten. Zwar zählte er u.a. "Denim & Leather" und "747 (Strangers In The Night)" auf, aber aus Erfahrung weiß der SAXON-Fan, dass er nicht wirklich die Wahl hat. So brachte der Frontmann das Hamburger Publikum auch relativ schnell dazu, besonders laut für "Crusader" zu stimmen. Und damit verabschiedete sich die Band. Alle zusammen kamen anschließend noch einmal nach vorne, so dass der von Biff vorgestellte Ersatzdrummer "Sven Dirkschneider from the Band U.D.O." in voller Größe und nicht nur hinter dem Schlagzeug zu sehen war. Nibbs Carter, Doug Scarratt, Paul Quinn, Biff Byford und der 22jährige Sven bewiesen, dass SAXON anno 2015 noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Die einzigen möglichen Kritikpunkte wären die etwas zu leisen Gitarren, die man außer bei den Soli erst ab dem letzten Drittel des Sets richtig hörte und der gefühlt viel zu kurze Auftritt im Allgemeinen. Es hätte gerne etwas mehr sein dürfen, gute Songs haben SAXON dafür ja genügend.


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Nach kurzer Umbaupause erschien das Stahlgestell des Bombers in leuchtenden Farben an der Bühnendecke und so legten MOTÖRHEAD auch mit dem Klassiker vom gleichnamigen Album los. Mikkey Dee trommelte wie wild und brachte den Saal zum Beben. Phil Campbell schien wieder voll genesen zu sein und stimmte an der Gitarre laut mit ein. Auch der Bass wummerte, wie man es von MOTÖRHEAD nicht anders erwartet. Doch wo blieb der Gesang? Der Mann am Mischpult hatte offensichtlich Probleme, das nicht oder kaum vorhandene Signal aus Lemmys Kehle irgendwie zu verstärken bzw. hörbar zu machen. Obwohl der Bandgründer mit einiger Entfernung zu den Monitorboxen stand, pfiffen die Rückkopplungen immer wieder durch den Saal. Bei "Stay Clean" und "Metropolis" vom Overkill-Album wurde es nicht besser.


Motorhead07Der sonst schweigsame Phil Campbell unterstützte seinen Bandkollegen wo er konnte. Denn Lemmys Ansagen kamen so gehaucht daher, dass sie nicht zu verstehen waren. Warum Scherzkeks Phil die ersten drei Songs zudem mit falschem Bart auftrat, ist nicht bekannt. Vielleicht war es wegen den Fotografen, denn die müssen bekanntlich nach drei Stücken raus aus dem Fotograben. Vom aktuellen Longplayer Bad Magic gab's nur einen Song: "When The Sky Comes Looking For You", ehe es in der Zeitschleife wieder zurückging zu Bomber und damit zu "Over The Top".  Im direkten Anschluss präsentierte der inzwischen bartlose Phil Campbell im Alleingang ein ausgediegenes und gewohnt rotzig-lautes Gitarrensolo.


Motorhead08Der ausgemergelte und offensichtlich von Krankheit gezeichnete Lemmy versuchte es nochmal mit "The Chase Is Better Than The Catch" von 1980 und dem "Lost Woman Blues" aus dem Jahr 2013. Sein starrer, fragender Blick erweckte den Eindruck als wüsste er nicht recht, wo er war. Der ehemals kraftvolle Sänger quälte sich durch "Rock It" und "Orgasmatron", womit der Tiefpunkt des Abends erreicht war. Gerade der letztgenannte Hit war früher ein Highlight bei MOTÖRHEAD-Konzerten. Nicht so diesmal. Der Gesang, oder was davon übrigblieb, ging komplett unter. Den gealterten Mann auf der Bühne zu sehen und ihn kaum zu hören, das tat weh. Andere schien das nicht zu stören, denn vor der Bühne ging es richtig ab. Mir war die Lust nach Party vergangen und wir beschlossen, die Halle zu verlassen. Lieber möchte ich Lemmy so in Erinnerung behalten, wie ich ihn in Hochform u.a. anno 1991 in München, 1995 in Stuttgart und 2005 in Balingen gesehen habe. Beim Rausgehen konnten wir noch ein paar Töne von "Doctor Rock" und Mikkey Dees anschließendem Schlagzeugsolo vernehmen.


Motorhead09Einerseits kann ich Lemmy verstehen, wenn er quasi auf der Bühne sterben will. Andererseits tut er sich und seinen Fans keinen Gefallen, wenn er rocken möchte, aber einfach nicht mehr kann. Das mitanzusehen hat einfach keine Würde. Mein Respekt vor dem einst großen Mann verbietet es mir, in Anbetracht dieser Tatsache, MOTÖRHEAD abzufeiern. Gerne hätte ich mir in Hamburg zumindest noch "Ace Of Spades", den "Whorehouse Blues" oder "Overkill" gegönnt. Aber eben nicht so. Denn das hat, frei nach dem MOTÖRHEAD-Song "No Class". Es tut mir im Herzen weh, aber als Fan kann ich Lemmy den Gefallen nicht tun und einfach Party machen. Ich frage mich auch, wie er die Konzerte Anfang 2016 und die Festivals im Sommer durchhalten will, wenn er aussieht, als käme er nicht mehr durch diesen Winter. Am 24. Dezember hat Lemmy Geburtstag. Ich wünsche ihm zu seinem 70. alles, alles Gute.

 

Bericht von DANU (dem Schattenmann)
Fotos von BIANCA (der Schattenfrau)




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Kommentare

by Micha am 30.06.2018 - 22:48
Ich war dabei und leider ist die Prophezeiung am Ende des Berichts war geworden. RIP in rock'n roll heaven Lemmy