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METAL DAYZ 2017 - Hamburg Markthalle, 22. bis 23.09.2017

METAL DAYZ_2017METAL DAYZ 2017
Hamburg Markthalle
Fr. 22. bis Sa. 23.09.2017

 

Die Hamburg Metal Dayz sind irgendwie immer Spaß und Stress zugleich. Da parallel das Reeperbahn Festival stattfindet, sieht es mit bezahlbaren Übernachtungs-Möglichkeiten schlecht aus im Städtchen. War in den vergangenen Jahren das Billing mit Bands wie W.A.S.P., PÄNZER, D-A-D, THE NEW BLACK, AXXIS, GLORYHAMMER und ULI JON ROTH hochkarätig besetzt, avancieren die Metal Dayz anno 2017 zur Partyveranstaltung mit Nebenprogramm. Der Besuch lohnt sich dennoch, da man hier Gleichgesinnte, Fans, Musiker und Journalisten des Genres trifft und sich beim einen oder anderen Bierchen nett unterhalten kann. Zudem erfährt man News aus der Szene, die noch nicht offiziell sind.


MetalDayz2017-01 Meltdown2017-02 Aus Termingründen müssen wir den Freitag leider sausen lassen. Eigentlich schade, denn zumindest der Auftritt von SODOM und das eine oder andere Panel wären interessant gewesen. Der Samstag passt auch nicht viel besser, denn es hätte sich erstmalig die Gelegenheit geboten, knapp hinter der dänischen Grenze die IRON MAIDEN-Tribute Band der Sandager-Brüder Morten (Ex-Mercenary, Ex-Pretty Maids) und Mikkel (Ex-Mercenary, Firesoul) anzusehen, die sonst fast ausschließlich im Norden Skandinaviens unterwegs sind. Zudem legt eine Erkältung meine bessere Hälfte flach, so dass binnen weniger Stunden ein Ersatz für den Fotograben gefunden und akkreditiert werden muss. Nachdem das geregelt ist, nochmal kurz checken, ob die Ehefrau mit allen notwendigen Medizinalien versorgt ist und dann ab in den Zug nach Hamburg.


MetalDayz2017-03 MetalDayz2016-04 Die Thrasher TASTE OF GREED  und das Metal Yoga verpasse ich. In der Main Hall sind TUXEDOO aus Österreich bereits zugange als ich in der Markthalle ankomme. Musikalisch kann ich mit dem Alpencore nicht viel anfangen, aber die Jungs aus den Bergen heizen kräftig ein und setzen voll auf Show und Optik. Mit ausgeblendetem Ton könnte man glatt meinen, man wäre bei einer TV-Aufzeichnung, präsentiert von Hansi Hinterseer oder Florian Silbereisen, gelandet. Was man in der Markthalle hört und sieht, steht im krassen Widerspruch. Mit Trachtenoutfit und Metalsound stechen TUXEDOO jedenfalls aus der Masse an musikalisch ähnlich gelagerten Bands hervor und das Konzept geht voll auf. Das anwesende Publikum feiert eine Riesenparty.


MetalDayz2017-04 MetalDayz2017-05 Nach einer kurzen Umbaupause ist immer noch Party angesagt. Diesmal allerdings als Zeitreise in die 1980er Jahre mit all den großen Hard Rock-Hits, die früher im Radio rauf und runter liefen. Im Prinzip machen JOHN DIVA AND THE ROCKETS OF LOVE nichts anderes als STEEL PANTHER zu Zeiten als die Jungs aus L.A. noch als Coverband unterwegs waren. Das spielerische Niveau und der Unterhaltungsfaktor sind ähnlich hoch. Gottlob lässt John Diva aber das ganze Unter-der-Gürtellinie-Gelaber weg und begnügt sich mit knackigen, kurzen Ansagen und damit, sein Geschlechtsteil am Mikroständer zu reiben und die Monitorboxen zu besteigen.


MetalDayz2017-06 MetalDayz2017-066 MetalDayz2016-067 Ein Blick auf die Setlist besagt, dass es bei Desmond Child in der Kasse klingelt. Ob bei "I Was Made For Lovin’ You", "Livin’ On A Prayer" oder Alice Coopers "Poison", John Charles Barrett, wie der Komponist und Songwriter mit richtigem Namen heißt, dürfte sich über den Scheck der GEMA freuen. JOHN DIVA jedenfalls bringen die Klassiker erstaunlich nahe am Original. Gesanglich stellen selbst Klaus Meine (Rock You Like A Hurricane), David Coverdale (Here I Go Again)  und Steve Perry (Don’t Stop Believin') nicht das geringste Problem dar. Der Mann an der Front schüttelt das Repertoire mit Leichtigkeit aus dem Ärmel.

 

Auch der Sound im Hintergrund und in der Halle stimmt. Da sind sehr gute Männer an den Reglern und an den Instrumenten. Die "Musikerpolizei" verzeiht da gerne auch den einen oder anderen Mini-Shortcut in den Gitarrensoli, wenn das Feeling passt. Und egal ob Matthias Jabs oder Eddie Van Halen, der Leadgitarrero ist verdammt nah dran. Nicht fehlen darf "We’re Not Gonna Take It". Mit Show, Musik und ihren beiden Cheerleadern überzeugen JOHN DIVA AND THE ROCKETS OF LOVE auf ganzer Linie und wer sich bestens unterhalten lassen möchte, sollte sich die Konzerttermine der Band, z.B. im Januar im Logo Hamburg und am Folgetag im Roxy Flensburg dick im Kalender eintragen.

 

MetalDayz2017-08 MetalDayz2017-09 Mit TROLLFEST folgt die nächste Spaßband, mit der ich nichts anfangen kann. Der Pseudo-Trollsprache, einem Kauderwelsch aus Deutsch und Norwegisch, gepaart mit Folkinstrumenten kann ich nicht viel abgewinnen. Deshalb ziehe ich mir den Rest des Vortrags "Teufelswerk oder Hexenjagd" von Lydia Benecke rein. Ihr Programm dauert normalerweise drei Stunden und ist in 60 Minuten kaum zu schaffen, worauf sie immer wieder hinweist und gnadenlos überzieht, so dass Panel-Moderator Christof Leim und die Stagehands bereits am Bühnenrand mit den Hufen scharren.

 


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Frau Benecke zeigt anhand einiger populärer Beispiele, dass der sogenannte Satanismus meist nur verwendet wird, um Aufmerksamkeit zu erlangen oder daraus Geld zu schöpfen. Die Spanne geht von der Hexenverfolgung in Salem anno 1692 bis ins heutige Zeitalter. Interessant ist z.B. auch die Historie der Familie LaVey mit ihrer "Church Of Satan", deren Satansbibel nicht viel mehr als ein Plagiat darstellt und alles Brimborium pressetauglich vermarktet wurde. Leider ist Lydia Benecke mittlerweile mit anderen Programmen auf Tour. Ich hätte mir das dreistündige "Teufelswerk oder Hexenjagd" u.a. bebildert mit unfreiwillig witzigen Bestellartikeln aus dem Rossmann-Onlineshop bei Gelegenheit gerne komplett angeschaut und zugehört.


MetalDayz2017-11 Inzwischen ist die Menschenschlange beim Meet & Greet von GRAVE DIGGER aufgelöst und ich erlaube mir den Spaß, nachzufragen, ob sie denn "PHIL RUDD" seien. Drummer Stefan Arnold zeigt Humor und unterschreibt mir eine Autogrammkarte neben Chris Boltendahl mit dem Namen des Ex-AC/DC-Schlagzeugers. Die Ersatzband passt meiner Meinung nach ohnehin besser zu den Metal Dayz als Phil, der anscheinend seine komplette Europatour abgesagt hat.


MetalDayz2017-12 MetalDayz2017-13 Dennoch sind GRAVE DIGGER nicht wirklich meins, was hauptsächlich an den Vocals von Chris, den ich gerne "bold and tall" nenne, liegt. Er und die Band besitzen ihren Kultstatus bestimmt zu Recht, aber mir fehlt da einfach die Melodie in der Stimme. Das ist schon seit den 1980er Jahren so. Einzig "Rebellion" ist der GRAVE DIGGER-Song, den ich mir immer wieder gerne reinziehe. Deshalb gehe ich erstmal wieder ins Marx, dem Club 2 der Markthalle, und lausche dem Panel "What happens on tour…". Christof Leim moderiert gekonnt und hätte eigentlich den Sendeplatz von Sandra Maischberger oder Anne Will in der ARD verdient.


MetalDayz2017-14 Meltdown2017-15Besonders interessant finde ich die Anekdoten aus Drum-Legende Jörg Michaels (Ex-STRATOVARIUS) Nähkästchen, die Christof ihm entlockt. Aber auch die anderen Teilnehmer wie z.B. Erik Müller und Dirk W. Trashedsoul berichten von wilden Pavianen auf dem Tourbus, Brücken, die den Nightliner abrasieren und umgestürzten Anhängern. Oder vom spartanisch-englischen Catering in Form eines Sixpacks Bier und einer Pizza für alle Mitglieder der Band und Crew zusammen. Den Schluss mit Fragen aus dem Publikum verpasse ich, schließlich will ich ja noch GRAVE DIGGERs "Rebellion" sehen, hören und beim Refrain mitsingen.


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Die Gladbecker Totengräber ziehen eine Wahnsinns-Show ab. Insbesondere Gitarrist Axel Ritt mit freiem Oberkörper geht ab wie Sau und erinnert an eine Mischung aus Zakk Wylde und George Lynch, zumindest optisch. Dass er auch Jeff Healey auf der Pfanne hat, beweist er, indem er die Gitarre waagerecht auf den Knien bearbeitet. Zum Abschied erscheint noch der Totenmann auf der Bühne und das Publikum ist begeistert. Ob Phil Rudd wohl ebenso viel Applaus bekommen hätte?

 

Im Foyer findet derweil die Verlosung statt, bei der es eine Pariah-Gitarre von Kramer im Wacken-Design mit Bandautogrammen als Hauptpreis zu gewinnen gibt. Der etwas angesäuselte Gewinner Thomas Harms steht noch eine Weile freudestrahlend mit dem Gitarrenkoffer herum und erzählt mir, dass er zuhause eine Klampfe von Epiphone hat. Da sei ihm das Kramer-Edelteil gegönnt. Nach drei Songs von KNORKATOR wird es Zeit für mich, in Richtung Hauptbahnhof zu verschwinden, damit ich meinen Zug erreiche.

 

Insgesamt hatte ich eine Menge Spaß, führte nette Gespräche u.a. mit Philipp Klinger von THE NEW BLACK und Henning Wanner von CIRCLE II CIRCLE. Das musikalische Highlight für mich waren eindeutig JOHN DIVA AND THE ROCKETS OF LOVE. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten, dem Veranstalter ICS und bei Olaf Walter, der den Fotojob kurzfristig übernommen hat. Und ich bin gespannt, was und wen die Wacken-Chefs Holger Hübner und Thomas Jensen im nächsten Jahr bei den Metal Dayz 2018 an den Start bringen.

 

 

Bericht von DANU (dem Schattenmann)
Fotos von Olaf Walter




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