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| LIVING COLOUR - Kulturinitiative Winterbach - 31.01.2010 |
Winterbach - mitten im Winter, daher weiß und dennoch voller lebendiger Farben! Während Bertsche mich abholt und wir noch David einladen, plaudern wir viel, viel Müll, viel Schrott! Uns ist zwar bevorstehender Abend im Kopf, aber doch nicht richtig bewusst. Nach 10 Minuten sind wir in Winterbach, besteigen die Lehenbachhalle und sind nun umgeben von Mitgliedern der Kulturinitiative Rock Winterbach e.V.! In diesem vergleichsweise recht kleinen Ambiente spielten schon große Namen, erst vor kurzem BIRTH CONTROL oder die SPIDER MURPHY GANG. Nicht Metal, wissen wir, aber was ist mehr Metal als eine Umgebung, in der man das Gefühl nicht los wird, dass selbst unter den Zuschauern jeder Zweite ein Musiker ist… Während wir alte Bekannte treffen und ein paar Mädels auf den Allerwertesten schauen, wird erst so langsam klar, was das für ein besonderer Event wird. Geschätzte 250 Leute und dann sollen hier auf der Bühne tatsächlich Musiker stehen, die Mega-Events in der Vergangenheit hatten? Erst mal überdenken und einfach hoffen, dass sie bei dem Publikum wenigstens ein wenig Gas geben! Wie auch immer der Kulturverein es geschafft hat, überhaupt an so eine Combo ranzukommen - eines war sicher: der einzige Gig in Deutschland dieser Band fand hier statt! [pagebreak] Colour your life, also ran! GROOVE PETROL, die Lokalmatadoren, spielten vorab ein paar eigene Songs und das alles andere als schlecht. Während die sympathischen Jungs mehr als 30 Minuten ihre Songs schmetterten, wurde ich das Gefühl nicht los, dass die Herren, wenn man sich den harmonisierend schrägen Gesang anhörte, wohl mehrere VOIVOD- und LED ZEPPELIN-Alben im Schrank haben. Cooler Stoff, eigenständig und vor allem richtig geil zum auftauen und einstimmen. Von hier aus einen Gruß, ich hätte in Zukunft gerne mehr davon! Pause - Raucher raus, also auch ich! Kippe an und verwundert geschaut, denn in diesem Moment betraten ein paar schwarze Jungs die Halle und während mir klar wurde, dass das ein Teil von LC war, dachte ich erneut über die Situation nach. Einer im Gefolge der Band schrie "… back to the hotel!"! Oha, mal sehen, ob die dann überhaupt das oben erwähnte Gaspedal nicht mit der Handbremse verwechseln. Wo hat es in Winterbach eigentlich ein Hotel und dürfen solche Musiker eigentlich durch den Haupteingang? Man konnte das Publikum durchaus als farbenfroh beschreiben, denn alle Altersstufen von klein Hanna mit gerade mal 18 bis hin zu Onkel Herbert, der demnächst wohl einen Rollstuhl benötigt - alles da und alles soweit voll. Voll war auch der Bühnenboden, nämlich voller Effekte, egal wo man hinsah und neben all den Pedalen mehrere Laptops. Crossover kommt also auch daher! Was hier an Technik kreuz und quer lag, hatte nun doch den Anschein, dass LC aufdrehen werden. Tja, und dann kamen die Herren. [pagebreak] Jetzt durften wir uns klar machen, dass da oben ein 53 jähriger Doug Wimbish am Bass steht, der unter anderem mit MADONNA und DEPECHE MODE unterwegs war und im Studio bei den ROLLING STONES, ANNIE LENOX und SATRIANI Hand angelegt hatte. Will Calhoun (Drums) spielte mehrere Solo-CDs ein und Vernom Reid wurde unter die besten 100 Gitarristen weltweit gewählt. Corey Clover (Vocals) dürfte zudem nicht ganz unschuldig sein, dass es Anfang der 90er Jahre 2 Grammys für die Band gab. Ich muss zugeben, ich war immer noch skeptisch, so sehr ich mich auch freute. Aber ich wurde positiv überrascht und zwar weil von Anfang ("Middle Man") bis Ende LC anzumerken war, dass es völlig egal ist, ob vor den Brettern mehrere tausend oder eben nur zw. 250 und 300 Leute stehen. Volles Entertainment in einer solch kleinen Halle zu bieten war ebenso kein Problem für die Jungs und so wurde Doug des Öfteren übermütig und lief die Bühne auf und ab. Seine Ausstrahlung war ebenso vielfältig wie sein Spiel und dessen Effekte. Corey hielt sich anfangs zurück, ebenso wie Vernon, aber da sollte sich ändern und lag sicherlich am kalten Wetter. [pagebreak] What's Your Favorite Colour, Baby? Keine Frage, ab sofort war Spaß, geballte gemeinsame Spielerei und eine richtig gute Setlist mit all den Zwischeneffekten seitens des Mischers der optimale Tuschkasten! Selbst mein favorite song, "Nothingless", den sie nicht spielten, war dadurch vergessen! Angesetzte nicht aufhören wollende Solis von allen Instrumente wurde wegen überzeugender Darbietung nicht mal, wie so oft sonst, als Abklatsch hingenommen, denn die waren einfach fantastisch. Auch, weil sich beispielsweise Doug einfach ins Publikum mischte und dort sein Solo direkt an den Fans zelebrierte. "Elvis Is Dead" (übergeil gemischt), "Ausländer" (härter geht's nicht), "Love Rears Ist Ugly Head" und viele weitere Hits in fast 2 Stunden Spielzeit hatten mehr Abwechslung als so manch ein anderer großer Gig. Corey konnte ohne Probleme mit "Everybody" den herrlichen Song "Bi" einläuten um einmal mehr aufzuzeigen, wie farbenfroh das Leben sein kann, wenn man die Menschen einfach nur leben lässt. Cool, wenn dann alle auch noch mitsingen und man sich, ebenso wie Corey selbst, ein Lächeln nicht verkneifen konnte. Klar durfte "Glamour Boys" nicht fehlen, ebenso wenig "Cult Of Personality" (kam als Zugabe). Beide Songs sind in der jetzigen Zeit noch aktueller als zu deren Entstehung. "Open Letter (To A Landlord)" hatte dabei einen ebenso kritischen touch, ohne dass die Band dies vielleicht an diesem Tag wollte. Egal, der Song wurde wie alle anderen überzeugend und mit Herz gespielt. LC waren die Größten an diesem Abend und sie zeigten mit "Iron Man" von BLACK SABBATH und mit "Hound Dog" von ELVIS PRESLEY auch andere Größen. Und wer es schafft, neue Songs (wie z. B. "Behind The Sun") gleichermaßen bei allen ankommen zu lassen, hat ohnehin alles im Griff. Das sind dann die Gigs, die in Erinnerung bleiben, denn sie gehören zu den Allerbesten. LC machten Schluss um anzukündigen, dass sie sofort für alle noch Autogramme geben würde. Die fröhlichen Jungs taten dies dann auch, bis in der kleinen Lehenbachhalle ein jeder (!) bedient wurde. Ja, Leute, keine Starallüren, trotz all der Erfolge, auch das keine eine Band auszeichnen. Als einer der letzten verließ ich mit Bertsche den Saal, nicht ohne noch ein Foto von ihm und Will zu schießen. Danke LC! [pagebreak] Eine Gruß und ein größeres Danke speziell aber an die Kulturinitiative Rock e. V., denn eines der besten Gigs brachte dem Verein nur Miese ein! Ja, so unglaublich es klingt, aber diese fantastische Band hätte eben mehr Leute ziehen müssen. Verwunderlich, wenn man aufgezählte Karriere und diese Typen an sich bedenkt. Dennoch hoffe ich, dass ich genau diese Band an genau diesem Ort wiedersehen kann, denn "You Can't Erase A Memory"! [pagebreak] ![]() ![]() Setlist: 1. Middle Man 2. Which Way To America? 3. Ausländer 4. Burned Bridges 5. The Chair 6. Decadance 7. Method 8. Funny Vibe 9. Flying 10. Bi 11. Drum Solo 12. Open Letter (To a Landlord) 13. Iron Man (Black Sabbath cover) 14. Love Rears Its Ugly Head 15. Glamour Boys Play 16. Behind the Sun Play 17. Bless Those (Little Annie's Prayer) 18. Elvis is Dead / Hound Dog (Elvis Presley cover) 19. Cult of Personality" |
| 08.02.2010, 13:40 by Horrace |
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