nach oben
Mättler No.
Drop-Nav
1204841
Interviews

zeige: Galerie | Übersicht


Gespräch mit Fiona Flanagan zum Comeback der 80er Rockröhre
Fiona aus New Jersey galt als ein der ganz großen Frauenstimmen im Hardrockzirkus der 80er. Trotz vielbeachteter Alben, Arbeit mit Warrant, einem Ausflug in die Schauspielerei an der Seite von Bob Dylan und nicht zuletzt der Partnerschaft mit Starproducer Beau Hill: Der Durchbruch wollte nie so richtig gelingen. Vor allem in Europa war Fiona nur Insidern ein Begriff.

Nach 20 Jahren hat die gereifte Mutter von zwei Kindern mit Unbroken wieder ein vielbeachtetes Album herausgebracht. Aus diesem Anlass stand Fiona Heavy-Metal-Heaven.de zu einem ausführlichen Gespräch zur Verfügung. Lest hier ihre höchst interessanten Anekdoten und sehr persönlichen Einblicke in das bewegte Leben einer Rockmusikerin mit vielen Facetten.

HMH: Hi Fiona, wir sind Heavy Metal Heaven aus dem Süden Deutschlands. Erstmal, toll dass Du wieder zurück bist mit einem sehr guten neuen Album (Unbroken): Was hat Dich inspiriert, nach solch langer Zeit wieder ein Hardrock Album zu schreiben?

Fiona: Hast Du Kinder? Die inspierien definitiv Hardrock zu machen. Deren Köpfe sind so hart wie Felsen (engl. rock Anm. d. Red.). Mein Mädchen ist 12 und der Junge 9 Jahre alt. Keiner von Beiden hört mir zu so musste ich ein Album machen. Ich danke Gott für James Christian.

HMH: Hattest Du spezielle Gründe, fast zwei Jahrzehnte kein Album zu machen?

Fiona: Nein, das war nicht wirklich mein Plan. Ich dachte, ich würde immer Musikerin sein. Aber als ich 30 wurde, krachte alles auseinander. Meine letzte Platte auf Geffen ging nicht gut und Beau (Hill, Anm. d. Red.) und ich gingen auseinander, was damals eine sehr große überrraschung für mich war. Jetzt lache ich drüber aber damals war ich in Panik. Ich wollte einfach glücklich sein und ich war gut in der Schule, so dachte ich dass zu lernen vielleicht ein besserer Versuch sei, als das Rock'n Leben mit Sex und Drogen. Vielleicht war es auch falsch. Auf jeden Fall liebte ich mein Studium an der Universität und es war nicht so stressig wie das Musikerleben. Es war sehr geordnet. Ich wollte einfach Leute treffen, ein bisschen reisen und herausfinden, was ich mit dem Rest des Lebens anfangen sollte. Ein neues Album stand damals nicht auf meinem Programm.

HMH: Kannst Du den deutschen Lesern ein bisschen über Dein tägliches Leben seit dem letzten Album "Squeeze" erzählen?

Fiona: Vor meiner Heirat arbeitete ich für Danny Sugerman (früherer Manager von The Doors, Anm. d. Red. ) und The Doors, ging in Santa Monica aufs College und dann zur Uni, reiste ein bisschen. Als unsere Tochter 99 geboren wurde, hörte ich auf zu arbeiten und war einfach nur Mutter. Dann kam das nächste Kind und die Zeit verging. Ich habe Freiwilligendienst gemacht, Blut gespendet. Lauter solche ganz normale Sachen, das Auto reparieren lassen. Das hat richtig gerockt, haha!

HMH: Was denkst Du über die aktuelle Hard'n Heavy Szene und glaubst Du, dass für Deine Art von Musik ein Markt besteht? Besteht für Dich ein Unterschied zwischen den Staaten und Europa, was Deine Musik betrifft?

Fiona: Ich denke nicht groß über den Musikmarkt nach. Ich tat es zuletzt, weil Robin Beck einen Plan für mich ausarbeitete und ich tat was sie für richtig hielt. Ich wusste, ich hatte einen gesunkenen Marktwert. (Hey, UCLA Betriebswirtschaftslehre, hahaha...) Ich habe vor allem an die Musik selbst bei Allem gedacht. Zu viele Gedanken über den Markt hätten mich kreativ beeinträchtigt. Ich tat es als eine persönliche Herausforderung und um zu sehen, wie es klingt. Und um ehrlich zu sein: auch als ein Geschenk an meine Fans. Ich wollte es eigentlich nur online rausbringen aber Robin überzeugte mich, dass die Leute noch auf physische CDs stehen, mit Autogrammen, Booklets, etc.. Vor Allem im melodischen Rockbereich. Ich wusste gar nicht, dass ich noch so viele Fans hatte, bis das Internet richtig verbreitet wurde und das brachte mich ein bisschen auf Touren. Ich weiss nicht, was in der Zukunft wird. Ich spiele live und das ist fantastisch. Hey, Ich wurde in Deutschland gebucht! Wer hätte das jemals gedacht? Wenn niemand kommt, dann ist die Antwort dass kein Markt für meine Musik da ist. (lacht laut.) Ich könnte auch tot sein. Egal. Kommt, und seht mich auf der Bühne, ich rocke echt!!!

Auf jeden Fall ist der Unterschied in Europa und Japan, dass die Leute eine größere Leidenschaft für ihre Musik mitbringen und sie einen wichtigen Platz im Leben einnimmt. Man sieht es wirklich als Teil der Kultur, auch wenn es Rock'n Roll und nicht Beethoven ist. Rock ist sehr respektiert. Hier in den Staaten ist das ein wenig gelassener. Was denkst Du so darüber? Natürlich werden auch ein paar Leute wie Springsteen oder Dylan sehr ernst genommen. Die Leute sind total verrückt nach ihnen. Ich habe gerade Ray Manazarek und Robby Krieger spielen sehen, es war fantastisch. Ich kenne sie schon so lange und es war toll, wie sie Spaß auf der Bühne hatten und ihr Leben einfach nur genießen. Inspierierend, zeitlos und alterslos. Ich wollte dabei einfach nur für immer leben und mir ein Bier holen......

HMH: In den 80er waren ein paar weibliche Hardrock Sängerinnen sehr erfolgreich, Saraya, Lee Aaron und auch Du. Ich verschwandet aber schnell von der Bildfläche. Siehst Du das Grunge-Zeitalter als Hauptursache?

Fiona: Nein. Mein Gott, ich verehrte Saraya, Lee war nicht so bekannt in den Staaten aber sie hat eine großartige Stimme. Und Doro! Ich mache Grunge für gar nichts verantwortlich, Musik funktioniert einfach in Zyklen. So viel ich weiss, hat die Biologie auch Auswirkungen bei den Frauen, die Zeit ist limitiert. Für die Jungs ist es anders. Viele Frauen meiner Generation haben die Möglichkeit eine Familie zu gründen, fantastischen Musikerkarrieren geopfert. Sie haben nicht über Kinder nachgedacht. Dann ist es auf einmal zu späte und hey.......... das Leben ist mysteriös. Meines auf jeden Fall.

HMH: Hast Du Kontakt zu anderen Sängerinnen oder Pläne für ein gemeinsames Projekt?

Fiona: Ich habe ja ein Duett mir Robin Beck auf der CD und es ist großartig geworden. Ich würde das ein gemeinsames Projekt nennen. Sonst habe ich keinen Kontakt zu Kolleginnen, würde aber sehr gerne welchen haben. Ich kannte nicht so viele, mein Leben lief irgendwie in anderen Bahnen. Ich lernte Robin Beck durch Julian kennen als wir zsuammen waren. Ich kannte all die Hairmetal-Jungs: Ratt, Winger, White Lion, Europe..... Da waren nicht viele Mädels dabei, zumindest nicht beim Singen...... Pat Benatar und Heart waren schon große Stars damals. Ich habe Saraya nie kennengelernt, sie war bei Polygram. Ich habe immer mit den Atlantic-Leuten abgehangen.

HMH: Wir sehen Dich im Februar auf deutschen und schweizer Bühnen mit House of Lords. Was fühlst Du dabei und was sind Deine Pläne danach?

Fiona: Ja, izuerst im Z7 in der Schweiz. Und dann treffe ich mich mit Tommy Demander und spiele in Köln, München, Berlin und Hamburg. Meine Gefühle explodieren deswegen regelrecht. Ich bin jetzt schon total aufgeregt. Ich liebe es einfach, live zu spielen und richtig abzurocken.

HMH: Du hast mit Warrant auf deren Cherrie Pie Album gesungen. Irgendwelche Gedanken über den gerade verstorbenen Jani Lane?

Fiona: Beau hat damals diese Platte produziert und ich war mit den Jungs befreundet. In erster Linie mit Jani and Joey. Ich hab keine Ahnung mehr, wessen Idee es war, dass ich auf der Scheibe singen sollte aber es war eine sich anbietende Wahl. Beau hatte solche Sachen einfach drauf. Er rief an und ich fuhr zu den Aufnahmen. Es war eine magische Zeit und ich bin Beau heute so dankbar dafür.
Ich erinnere mich an einige Dinge. Ich saß mit Jani draußen auf der Veranda, sahen all die Lichter und wir waren so glücklich. Wir hatten einen Drink und sprachen über die Zukunft. Er wollte ein Haus kaufen und er war mit Bekka Bramlett zusammen (auch eine tolle Sängerin.). Er war einfach absolut verrückt und machte sich über alles unheimlich Gedanken: seine Haare, seine Zähne, seine Klamotten. Er wollte, dass wir ihm unser Haus verkaufen für einen lächerlichen Preis. Wir lachten uns über die Schnapsidee einfach nur kaputt. Er war ein junger Gott, wie all diese Typen der Epoche. Großartig aussehend, talentiert und alles lief wie geschmiert.
Jani ließ mich nach Hawaii zur Vorproduktion des Albums kommen. Beau und ich hatten einen unglaublichen Spaß. Die Warrant Jungs waren zusammen in zwei Zimmern und die haben richtig Gas gegeben. Wir waren jeden Abend zusammen essen mit den Jungs. Als die Jungs arbeiteten, nahm ich den Bus und schaute mir die Umgebung an.
Ich habe mich nicht sehr verändert seit damals. Für ein Mädchen ist es in diesem business einfach anders. Du hast sehr schnell einen schlechten Ruf weg. Der ist durchaus gut für die Jungs im Rockgeschäft, nicht aber für mich. Ich war auch bei Janis Hochzeit aber nachdem es mit mir und Beau auseinander ging, habe ich Jani leider nie mehr wieder gesehen. Er war so nett zu mir und gab mir diesen tollen Song. Als ich hörte dass er gestorben war, konnte ich nicht schlafen. Das war der finale Antrieb, die CD rauszubringen. Sie war schon fast fertig aber stand auf wackligen Beinen. Deswegen habe ich das Label "Life on the Moon Records" genannt. Ich habe kürzlich mit Joey von Warrant gesprochen und hoffe, all die Jungs bald auf ihrer Tour zu sehen.

HMH: Du hast mit Bob Dylan in dem Film Hearts of Fire 1987 gearbeitet. Hattest Du damals keine Ambitionen im Filmgeschäft weiter zu machen oder kannst Du Dir heute vorstellen, nochmal Ähnliches zu machen?

Fiona: Eine Zeitlang bin ich zu Castings gegangen aber nach einer Weile habe ich das Interesse verloren. Es ist sehr hart, so oft abgelehnt zu werden. Ich hatte keine Ambitionen zum Schauspielern, ich hatte aber auch keine Ambitionen zu singen. Wer weiss also?

HMH: Fiona: Wir danken Dir ganz herzlich für das Gespräch und wünschen alles Gute!

Fiona: Ich danke Euch. Ich wünsche Euch auch das Beste. Cheers!


Bewertung
Redaktion: (0)
0.00
Leser: (0)

0.00
  
Deine Wertung:  
| 1=Klassiker | 2=Top-Album | 3=Absolut hörenswert |
| 4=Hörenswert | 5=Da fehlt noch was | 6=Mies |


Neuere / Ältere Beiträge



Siehe auch