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CRASHDIET, SISTER, SLEEKSTAIN, FALLEN MAFIA Hamburg, Logo 9. Mai 2013
CRASHDIET01 CRASHDIET, SISTER, SLEEKSTAIN, FALLEN MAFIA
Hamburg, Logo 9. Mai 2013

Mannomann, seit vier Wochen höre ich nichts anderes als: "Wann muss ich abfahrbereit an der Tür stehen?". CRASHDIET in Hamburg, d.h. (nicht nur) meine Frau völlig aus dem Häuschen… Dass ich die Fotos trotz Pass auf ihren Namen an diesem Abend selber schießen musste, war von vornherein klar. Im besten Metal-Schlampen-Outfit mit eigens entworfenem CRASHDIET-T-Shirt, das sie letztes Jahr von mir zum Geburtstag bekommen hatte, zerrissener Legging und schwarzem Minirock, der die Schamgrenze gerade noch so abdeckte, ging's von Flensburg aus los. Im Auto: die aktuelle CRASHDIET-CD "The Savage Playground", Wegbeschreibung mit Park+Ride-Möglichkeit, Fahrplan der Hamburger Verkehrsbetriebe, Tickets und die Person, die ich mal geheiratet habe, aufgeregt wie ein verrücktes Huhn.

CRASHDIET02 Ausgerechnet zum selben Datum feiert Hamburg seinen 824. Hafengeburtstag mit jährlich über 1 Million Besuchern wegen des Feiertags einen Tag früher und damit länger als gewöhnlich. Die halbe Innenstadt abgesperrt, kein Hotelzimmer frei, Menschenmassen und Veranstaltungen an jeder Ecke. Da will gut geplant sein. Also, P+R an der Endstation der U2, 25 min Fahrt in Richtung Location und 1,4 km Fußweg bis zum Veranstaltungsort "Logo". Alles kein Problem, selbst in hochhackigen Stiefeln machbar. Und ich muss sagen, dass ich von der Hamburger Clubszene begeistert bin. Kaum eine Stadt, die so viele coole Locations für Konzerte zu bieten hat. Knust, Markthalle, Docks, Logo und wie sie alle heißen, einfach großartig!

CRASHDIET03 Wie auch immer, jedenfalls waren wir pünktlich zum Einlass vor Ort, wo sich bereits eine längere Schlange vor den Toren des Logo gebildet hatte. Wie nicht anders zu erwarten, bestand diese zu mindestens 90% aus weiblichen CRASHDIET-Fans. Gefärbte und hochtoupierte Haare, enge, knappe Outfits, Tattoos aller Art, u.a. mit dem Bandlogo und jede Menge Schminke in den Gesichtern - hier waren wir richtig. Andere Mädels trugen Haare bis fast zu den Kniekehlen, Jäckchen mit OVERKILL-Rückenaufnäher, Fledermaustattoos quer über den Rücken, u.v.m. Das Östrogen schien nur so zu brodeln…

CRASHDIET04 Bereits um 19:30 (statt wie angekündigt um 20) Uhr ging's los mit den unangekündigten FALLEN MAFIA aus Newcastle in England. Weiblicher Gesang und ein Gitarrenbrett mit einem Höllensound dröhnte aus den Boxen. Die Band einzuordnen ist schwierig. Durch Sängerin Hannah drängt sich der Vergleich mit SISTER SIN geradezu auf. FALLEN MAFIA entpuppten sich auf alle Fälle als guter Support-Act, der es schaffte, die Stimmung des Publikums von der ersten Minute ab anzuheizen. Da wurde nicht irgendwo an der Theke abgehangen, sondern in den vordersten Reihen, direkt an der Bühne mitgefiebert. Und heiß war es in der Tat. So, dass ich später ein-zweimal an die frische, kühlere Luft musste und dadurch Gelegenheit hatte, ein kurzes Gespräch mit Gitarrist Chris Johnson von FALLEN MAFIA über die Tour, Musik im Allgemeinen und Trinkgewohnheiten zu führen. Jägermeister scheint neben deutschem Bier wohl das Lieblingsgetränk der Band zu sein.

CRASHDIET05 Nach minimaler Umbaupause erschienen SLEEKSTAIN on stage. Was für eine Power! Sänger "Ryff Raff" demonstrierte mit Macht, dass Frankreich auch in musikalischer Hinsicht eine ernstzunehmende Nation ist. Ein breites Spektrum von eher tiefem Gesang á la AIRBOURNE über deftige, hohe und lange Schreie, die schon fast an Ex-SKID ROW-Fronter Sebastian Bach heranreichen war da zu hören. Noch sind SLEEKSTAIN ein Geheimtipp, der definitiv Lust auf mehr macht. Bühnentauglich sind die vier Jungs allemal, was auch dem vorwiegend weiblichen Publikum gefiel, das sicherlich den einen oder anderen Schweißtropfen von Gitarrist Rob, Basser Deg und Sänger Ryff abbekam. Für den runden Sound sorgte Drummer Vanns an der Schießbude.

CRASHDIET06 Dass die Jungs auch feiern können, zeigte Ryff Raff spätestens als er zusammen mit mir CRASHDIETs "Riot In Everyone" durch den Saal mitschrie und wir dazu massivst headbangten. Seltsamerweise wollte er am Ende des Konzerts ein Foto mit mir und spendierte ein Bier. Sonst kannte ich das Star-/Fan-Verhältnis nur andersherum (siehe z.B. die Facebook-Seite meiner Frau).

CRASHDIET07 Die Gewinner des Abends waren definitiv die schwedischen SISTER. Eine geballte Energie, die auf ihren Studio-Longplayer "Hated" leider nicht zum Tragen kommt. Da sollten sich die vier Jungs Jamie, Lestat, Rikki und Cari echt nochmal ein paar produktionstechnische Gedanken für die Zukunft machen. Denn live stimmen Optik und Sound. Die Gruselschminke passt da definitiv. Auf CD jedoch wirkt alles sehr weichgespült. Ob man sich da an den frühen KISS orientierte, sei mal dahingestellt. Live knallen die Songs jedenfalls voll rein, so dass höchstens der mit Kajal hingeschmierte Harry Potter-Blitz auf Jamies Stirn leicht lächerlich wirkt. Alles andere ist erste Sahne! Als Live-Act kann man SISTER nur weiterempfehlen. Wer also die Gelegenheit hat, sollte unbedingt hin, wenn die Jungs einen Auftritt in Reichweite haben.

CRASHDIET08 Nachdem bisher alles zügig und ohne großartige Umbaupausen oder Zugaben von statten ging (nicht dass diese nicht eingefordert wurden, es gab nur keine Zeit dafür), wurde nun das Schlagzeug und die Backline für CRASHDIET neu konfiguriert. Die Sperrstunde im Logo war auf 0 Uhr angesetzt, was den Zeitplan sehr eng machte. Auch hatten CRASHDIET ihren eigenen Mischer dabei, der dem ohnehin guten Sound, der den Abend über aus den PA-Boxen kam, doch noch ein kleines bisschen an "mehr" draufsetzen konnte. Und schon lief das Intro zum aktuellen Album "The Savage Playground" bzw. des Openers "Change The World". Und kaum auf der Bühne, gab es kein Halten mehr. Sänger Simon Cruz und seine Kumpane wussten, den begrenzten Platz voll zu nutzen und legten eine enorme Bewegungsfreude an den Tag. Der Saal kochte im wahrsten Sinn bei einer Zimmertemperatur von gefühlten 90 Grad Celsius. Da blieb keine Achsel und kein Höschen trocken.

CRASHDIET09 Nach kurzer Begrüßung schob die Band die Songs "Circus" und "Anarchy", ebenfalls von der aktuellen Scheibe, nach. Und der Schweiß tropfte nicht nur den Musikern aus allen Poren. Der Dampf hatte den richtigen Pheromon-Anteil, um die hauptsächlich weibliche Meute von den vordersten bis hintersten Reihen zum Schreien zu bringen. Gitarrist Martin Sweet, Basser Peter London, Drummer Eric Young und der bereits erwähnte Simon Cruz versprühten den wahren Zalando-Effekt. Mit einer an Bruce Dickinson erinnernden Akrobatik an den farbigen Deckenstrahlern glitt der Sänger über die Hände und Arme des Publikums in gekonnter Weise zurück zu seinem Platz auf der Bühne.

CRASHDIET10 "Queen Obscene" und "Chemical" initiierten eine kurze Reise in die CRASHDIET-Vergangenheit, um im Anschluss mit der Singleauskopplung "California" als Ode an den kürzlich verstorbenen Manager der  Band wieder zurück in der Gegenwart zu landen. Es folgten der Kracher "Rebel" und "Garden Of Babylon", ehe die Show mit den Mitsing-Hymnen "Riot In Everyone", "Generation Wild" und "Cocaine Cowboys" nur allzu früh ausklingen sollte.

Mit diesem Auftritt bewiesen CRASHDIET, dass sie nicht nur kompositorisch weit besser sind als so manche ihrer Mitbewerber wie etwa die von ihrer Plattenfirma gepushten HARDCORE SUPERSTAR, sondern dies auch live rüberbringen können. Der Abend in Hamburg war definitiv eine Reise wert. Nur schade, dass der Zeitplan so streng eingehalten werden musste. Nachdem sich die Musiker backstage den Schweiß abgewischt hatten, widmeten sie sich alle noch voll und ganz den im Saal verbliebenen Fans, so dass eine Menge cooler Fotos entstehen und kurze Gespräche gehalten werden konnten. Eine solche Nähe gibt es dann wohl doch nur in den kleinen Clubs. Mit dem Einsatz ihrer weiblichen Waffen konnte meine bessere Hälfte schließlich noch ein Original-Plektrum von CRASHDIET-Bassist Peter London als Souvenir ergattern. Dieses soll gerahmt werden und einen Ehrenplatz auf dem Nachttisch bekommen. Fazit: bei der nächsten CRASHDIET-Tour oder einem Auftritt in nicht allzu weiter Ferne sind wir unter Garantie wieder am Start.


Bericht und Fotos von DANU (dem Schattenmann)




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