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BALTIC OPEN AIR 2016 Schleswig, Gelände auf der Freiheit, 25.08. bis 27.08.2016

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BALTIC OPEN AIR 2016 Schleswig,
Gelände auf der Freiheit,
25.08. bis 27.08.2016

 

Freibier statt Fanpics oder planlos durchs Weltall? So könnte man über das diesjährige Baltic Open Air in Schleswig resümieren. Bereits im Vorfeld gab es Kritik von allen Seiten über die mangelnde Organisation der vergangenen Jahre. Auf den bekannten Onlineportalen folgten am ersten Festivaltag dann weitere Bashings. Waren wir am Freitag noch der Meinung, dass sich all das in einem gewissen Rahmen bewegte, wurden wir im weiteren Verlauf eines besseren belehrt. Hinzu kommt, dass wir als ehemalige Baden-Württemberger die schwäbische Genauigkeit und Organisationsfähigkeit von Leuten wie Horst E. Franz (Bang Your Head!!!, Rock Of Ages), Chris Jäger und Achim Ostertag (Summer Breeze) gewohnt sind.

 

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Für uns waren vor allem KISSIN' DYNAMITE und DIRKSCHNEIDER relevant. Also, Freitag relativ früh hin, um einen Eindruck vom Festivalgelände mit allen wichtigen Punkten zu bekommen. Los ging's mit einer planlosen Ordnerin, die per Funk erstmal nachfragen musste, wie man zum Presseparkplatz kommt. Okay, über das Osttor, wo alle reinfahren. Das dauert dann halt ein bisschen. Immerhin konnte uns die nächste Dame im neongelben Reflektor-Dress genau sagen, wo es hingeht. Unten dann ein sehr freundlicher Herr, der uns die Kette zur Einfahrt öffnete. Dann zur Bändchenausgabe, es sollte ja später schnell gehen. Doch leider gab es die Pressebändchen erst ab 15 Uhr. Das stand zwar in der Akkreditierungsbestätigung, wir hielten das aber für einen Tippfehler, da die ersten Bands ja bereits am Donnerstag auf der "Viking Stage" spielten. Dass die außerhalb des abgesperrten Geländes steht, konnten wir nicht wissen.

 

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Ohne entsprechende Kennzeichnung fuhren wir also wieder nach Hause, da die Mittagssonne uns sonst womöglich verbrannt hätte. Drei Stunden später dann Chaos bei der Einfahrt am Osttor, also der offiziellen Zufahrt. Gleichzeitig mit dem Feierabendverkehr vom Deutschen Paketdienst, dessen Transporter ebenfalls auf dem Gelände untergebracht sind. Alles blockiert durch umkehrende Camper und DPD-Fahrzeuge, sowie Diskussionen zwischen Besuchern und Ordnern. Irgendwann konnten wir schließlich passieren und landeten wieder beim freundlichen Herrn des VIP-Parkplatzes. Inzwischen war auch Journalisten-Kollegin Andrea Weide zur Pressebetreuung eingetroffen. Wir bekamen unsere roten Bändchen und den Hinweis in welche Bereiche wir ungehindert vordringen dürfen.

 

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Eigentlich sollten die finnischen Folk-Metaller KORPIKLAANI um 16:45 Uhr die Main Stage eröffnen. Nach einer kurzfristigen Absage spielte der Wahlhamburger ABI WALLENSTEIN einfach doppelt so lange, was für einigen Unmut bei den Festivalbesuchern sorgte, von denen sich einige ihre bissigen Kommentare in den sozialen Netzwerken nicht verkneifen konnten. Denn schließlich gäbe es weit bessere, lokale Alternativen, so die allgemeine Meinung. Pünktlich um 18:30 Uhr enterten KISSIN' DYNAMITE die Hauptbühne. Und jetzt kommt's, liebe Veranstalter - und das gilt für nahezu alle weltweit . Ihr wollt gute Presse und gute Fotos, tut aber alles dafür, dass das kaum möglich ist. Normal ist Fotografieren während der ersten drei Songs einer Band erlaubt, was ohnehin schon unnötig für Hektik sorgt und insbesondere bei bewegungsfreudigen Kapellen wie KISSIN' DYNAMITE und DIRKSCHNEIDER viele gute Motive wie z.B. die SCORPIONS-PYRAMIDE mit Hannes, Jim, Ande und Steffen am Ende der Show nicht zulässt.

 

BOAAuf dem Baltic 2016 wurde diese Zeit auf zwei Songs reduziert. In diesem Fall auf "DNA" und "Running Free" vom Megalomania-Album. Im Klartext knappe 9:17 min. Als weitere Hürde waren Bühne und Bassboxen in einer Höhe angebracht, in der man ohne Teleobjektiv kaum mehr als die Gesichter der Stars aufs Bild kriegt, ohne ständig irgendwelche störenden schwarzen Kästen oder Gaskartuschen im Bild zu haben.

 

Wie auch immer, KISSIN' DYNAMITE waren ein mehr als würdiger Ersatz für die ausgefallenen UFO und legten eine gigantische Show hin. Zwölf Songs, davon knapp die Hälfte von Money, Sex & Power, drei von Megalomania, zwei neue und zwei ganz alte aus der KD-Anfangszeit. Und ich muss sagen, dass "Hashtag Your Life" live der absolute Abräumer ist und auch "Love Me, Hate Me" und "Steel Of Swabia" im aktuellen KISSIN' DYNAMITE-Sound genial rüberkommen.

 

Eine Stunde Spaß und Action, wie es sich gehört. Und ich bin jedes Mal erstaunt, wie Sänger Hannes gesanglich noch eine Schippe draufpackt. Ich gebe es ungern zu, aber der Knabe wird mit jedem Auftritt noch besser. Das soll die Leistung von Ande, Jim, Steffen und Andi aber keinesfalls schmälern. Die Jungs haben es wirklich verdient ganz oben zu stehen. Da freuen wir uns schon jetzt auf die Tour im Oktober.

 

BOANach dem Auftritt griffen wir uns die Jungs backstage, wechselten zwei-drei Sätze im schwäbischen Heimatdialekt und schossen ein paar Fanfotos mit Ande, Jim und Hannes. Damit war der Freitag für uns quasi abgehakt. Gegessen und getrunken hatten wir auf dem Gelände und selbstverständlich brav dafür bezahlt. Allerdings war die Handpizza von der übelsten Sorte und die Pommes am Schwenkgrillstand waren zwar heiß, aber leider nicht fertig und ohne genügend Ketchup nahezu ungenießbar. Ohnehin war das Angebot im vegetarischen Bereich sehr eingeschränkt. Über den Bierpreis kann man sich streiten, aber beim Essen stimmten Preis/Leistung definitiv nicht.

 

 

Nach reiflicher Überlegung ließen wir die anderen Bands sausen, da DRUNKEN SWALLOWS u.a. eine furchtbare Version von "Pet Cemetary" (RAMONES) und "R.A.M.O.N.E.S." (MOTÖRHEAD) als Medley zum Besten gaben. Wie sollten wir bei so etwas und den nachfolgenden Kapellen die vier Stunden bis zum Auftritt von AIRBOURNE überstehen, die zudem für eine Spielzeit bis 1:00 Uhr nachts angesetzt waren? Keine Chance! Deshalb noch mit den Krögers vom saubersten Klo auf der Freiheit unterhalten und dann nach Hause. Die Damen und Herren von der "Heimat", einem Veranstaltungsort hauptsächlich für Kabarett und Kleinkunst, machen da einen echt guten Job!

 

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Am Samstag knallte die Sonne genauso wie am Freitag, weshalb wir alle Bands vor DIRKSCHNEIDER ausließen und erst aufs Gelände kamen, als TORFROCK spielten. Als zugezogener Norddeutscher kann ich mit den Jungs, die den Soundtrack zum WERNER-Film "Das muss kesseln" lieferten, nicht wirklich etwas anfangen. Zuviel Party und ohne Alkohol kaum zu ertragen. Auch die KNEIPENTERRORISTEN mit ihrem zweiten Set aus Coversongs der BÖHSEN ONKELZ konnten mich nicht wirklich überzeugen.

 

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Ganz anders DIRKSCHNEIDER. Nach etlichen Shows seit April sitzt jeder Ton und jede Note perfekt und Udo muss auch nicht mehr vom Teleprompter ablesen. Hier kann ich nur konstatieren: die beste und authentischste ACCEPT-Coverband der Welt! Zwar nur mit halber Setlist, aber so gut wie allen wichtigen Hits wie "Starlight", "Midnight Mover", "Breaker", "Princess Of The Dawn", "Restless & Wild", "Son Of A Bitch" usw. Einfach nur geil! Die U.D.O.-Truppe ist der Hammer! Da kann ich Sven Dirkschneider am Schlagzeug, das finnisch-russische Gitarrenbrett Kaspari und Andrey und natürlich die sensationellen Altvorderen Fitty am Bass und Udo am Gesang nur loben. Wenn das wirklich die letzte Tour mit ACCEPT-Songs für U.D.O. gewesen sein soll, ist das ein fürstlicher Abgang!

 

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Da der Backstagebereich für uns zugänglich war, rannten wir nach einer viel zu schnellen Version von "Fast As A Shark", bei der die Musiker selbst lachen mussten - den Song aber locker gekonnt hinkriegten - und dem abschließenden "Balls To The Wall" nach hinten, um ein Fanfoto mit der Band zu erhaschen. Nachdem wir Sven abgefangen hatten, warf uns der aufgebrachte BALTIC-Chef Daniel Spinler kurzerhand raus und verwies uns auf den VIP-Bereich, wo es gratis Bier und Würstchen gäbe. Pressefrau Andrea Wieder versuchte noch die Wogen zu glätten, aber so etwas ist eindeutig ein Organisationsfehler. So verschwanden Udo und seine Mannschaft im Musikerbereich und wir gingen erstmal etwas trinken während die rosa Spaßfraktion in Form von J.B.O. auf der zweiten Bühne witzelte.

 

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Vom VIP-Bereich schauten wir dann auch SUZI QUATRO zu, die Schleswig rockte. Mit über sechzig Jahren noch einen solchen Auftritt hinzulegen, Hut ab! Ein Hit jagte den nächsten und mit "Can the Can", "48 Crash", "The Wild One", "If You Can't Give Me Love" und "Stumblin' In" hatte sie einige im Programm. Richtig geil war die Coverversion von Neil Youngs "Rockin' In The Free World", welche deutlich rockiger als das Original ausfiel. Klasse Band, klasse Programm und eine gigantische kleine Frontfrau, die immer noch knallenge schwarze Hosen anziehen kann, ohne dass es peinlich wirkt. Suzi, wir lieben dich!

 

BOADamit war für uns das Festival zu Ende, obwohl sich die meisten Zuschauer erst jetzt einfanden. Aber TEARS FOR BEERS mit ihrem Sauf-Folkrock und eine AC/DC-Coverband gefolgt von TITO & TARANTULA und abschließenden Fuchtel-Gekreische von Sharon den Adel müssen nicht sein. Da gönne ich Anderen ihren Spaß.

 

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Kommen wir also zum Abschlussergebnis: Mir waren es definitiv zu viele Spaß- und Party-Kapellen, die man ohne einen gewissen Alkoholpegel weder witzig noch toll finden kann. Mit HARDBONE, AIRBOURNE und BAROCK war der Wechselstrom-/Gleichstromgenerator ebenfalls sehr dominant. Das organisatorische Chaos muss zukünftig besser werden. Hier mangelt es an Kommunikation und genauen Anweisungen für Ordner und Securities. Danke an die Veranstalter für DIRKSCHNEIDER, KISSIN' DYNAMITE und SUZI QUATRO. Die Spielzeiten hätte ich mir zwar etwas anders gewünscht und z.B. IVORY TOWER auch gerne zu einer vernünftigen Uhrzeit auf einer der Hauptbühnen gesehen, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Bleibt nur noch zu sagen: Danke für den Eintritt und das Freibier.

 

 

Bericht von DANU (dem Schattenmann)
Fotos von BIANCA (der Schattenfrau)

 




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